November 05, 2017

Welcher Plotter ist für mich der Richtige? Eine Gegenüberstellung Brother ScanNCut - Silhouette Cameo3

Gerade jetzt, wo die Tage kürzer werden und wieder mehr gebastelt und genäht wird, sehe ich immer wieder die Frage auftauchen, welcher Schneideplotter besser ist, die Geräte von Brother (ScanNCut) oder von Silhouette (Cameo3 und Portrait2).

Es gibt mehrere Gegenüberstellungen im Internet, aber wer noch nie so ein Gerät hatte, tut sich oft schwer damit, die technischen Daten zu beurteilen und zu entscheiden, was für einen selbst das Beste ist.

Für mich liegt der Unterschied ganz klar in der Bedienung der Geräte.
Wenn mir bei Workshops oder am Telefon jemand diese Frage stellt, versuche ich zuerst einmal herauszufinden, was für ein Typ Mensch der Interessent ist. Dann fällt die Entscheidung meist ziemlich schnell.

Wenn du gern handwerklich arbeitest, gerne nähst, bastelst, ausprobierst und darauf los arbeitest, dann bist du eher der ScanNCut-Typ.

Wenn du gern alles gut vorbereitest, geduldig bist, gern am Computer arbeitest, lieber die volle Kontrolle hast und exakte Ergebnisse bis ins kleinste Detail erwartest, dann bist du eindeutig der Cameo-Typ.

Wir haben einen kleinen Selbsttest mit 10 Fragen aufgesetzt. Wenn du diese beantwortest, bekommst du am Ende eine Punktzahl von 1 - 20 Punkten.

Brother ScanNCut-Typ 1 <---------------------------------> 20 Silhouette Cameo3-Typ.

Zum Selbsttest kommst du hier!



Das wichtigste Argument bei der endgültigen Entscheidung ist sicher der Druck, mit dem die Maschinen die Materialien schneiden.
Dieser ist bei den Brother-Geräten sehr hoch (bis zu 1250gr, also mehr als ein Kilo). So kann mit der ScanNCut auch Leder, Karton, Schrumpffolie usw. in einem Durchgang leicht geschnitten werden.

Die Silhouette-Geräte haben einen Anpressdruck von max. 210gr, also sehr niedrig. Hier kommst du schnell an Grenzen mit dicken, schweren Materialien. Der stärkste Karton, der problemlos geschnitten werden kann, ist Tonkarton mit 300 gr/qm.

Der ScanNCut kann auch ohne Computer benutzt werden, denn es gibt ein eingebautes Touch-Display, an dem du fast alle Funktionen direkt an der Maschine durchführen kannst. Du hast in der Maschine bereits jede Menge Designs vorinstalliert und kannst auch deine eigenen Designs dort speichern. Auch das WLAN bei den Brother-Modellen mit WLAN-Funktion funktioniert sehr gut. Mit dem Scanner kannst du Motive direkt mit der Maschine einscannen und schneiden oder die Schneidelinien speichern, um sie aus einem anderen Material auszuschneiden.

Bei den Silhouette-Geräten musst du die Designs, egal ob selbst erstellt oder gekauft, immer in der Software Silhouette Studio® bearbeiten, zum Schneiden vorbereiten und dann an die Maschine senden. Das Bluetooth arbeitet nicht immer zuverlässig. Du kannst die Dateien per USB-Stick übertragen für eine computerunabhängige Bedienung. Diese können jedoch an der Maschine nicht mehr verändert werden.

Die Silhouette-Geräte haben das Automatikmesser, das sich so einstellt wie in der Software vorausgewählt. Es ist allerdings nicht immer zuverlässig bei Materialien, die nicht von der Marke Silhouette sind. Ich rate allen Benutzern, zusätzlich ein Standardmesser für dickere und schwierige Materialien anzuschaffen.
Die Stärke der Silhouette-Geräte liegt für mich in der sehr gut gemachten firmeneigenen Software und in der Präzision bei filigranen Designs. Du kannst damit wirklich hauchfeine Linien aus Folie und geeignetem Papier schneiden.

Wer eigene Designs erstellen möchte, kommt bei beiden Systemen nicht darum herum, ein Schneideprogramm zu erlernen. Die neueste Version von Silhouette Studio®, Version 4 ist hier meine erste Wahl. Auch Brother ScanNCut-Besitzer können das kostenlose Programm benutzen, ihre Designs ausdrucken, an der Maschine einscannen, speichern und schneiden.
Brother bietet zwar für alle Modelle ein Programm im Internet an, ScanNCut Canvas, das auch auf den mobilen Geräten sehr gut funktioniert, allerdings nur eingeschränkte Funktionen hat und manchmal sehr langsam ist. Mit der kostenpflichtigen Businessversion von Silhouette Studio® können eigene Designs auch so gespeichert werden, dass die ScanNCut sie lesen und schneiden kann. Nur die Designs aus dem Silhouette Onlineshop können nicht im Brother-lesbaren Format gespeichert werden.

Für kleinere Budgets gibt es jetzt im Herbst 2017 von beiden Marken jeweils ein ganz neues Modell unter € 200.-
Die Silhouette Portrait2 hat nur eine Schneidefläche von ca. DIN A4 und nicht den Doppelwerkzeughalter, ist dafür aber sehr viel handlicher als die Cameo3 und erfüllt ansonsten die gleichen Aufgaben.
Die DesignCut von Brother hat keinen eingebauten Scanner, aber die gleiche Schneidefläche wie die "Großen" und kann vom Tablet oder PC aus bedient werden.

Falls du dich immer noch nicht entscheiden kannst und genug Platz hast, ist es natürlich auch eine Option, sich beide Gerätetypen anzuschaffen (aber bitte nicht gleichzeitig). Ich benutze tatsächlich beide Systeme gleich gern und abwechselnd, je nach Material und Anwendung.

Und zum Schluss: diese Gegenüberstellung ist keineswegs vollständig und spiegelt auch in vielen Punkten meine persönlichen Vorlieben wieder.
Wichtig ist, dass wenn du den Plotter dann hast, dass du direkt anfängst damit zu arbeiten und bereit bist, immer wieder etwas dazuzulernen. So wirst du schnell Erfolgeserlebnisse und viel Freude an deinem Gerät haben, egal welches es ist.

Heute keine Bilder?
Nein, der Beitrag ist lang genug und es gibt ohne Ende Bilder meiner Maschinen und Projekte in den anderen Blogbeiträgen.

Viel Spaß!

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