Juni 18, 2018

Datenschutzgrundverordnungs-Wahnsinn

Kaum zurück aus dem Urlaub erreicht mich auch schon wieder eine neue Unglaublichkeit zum Thema Datenschutzgrundverordnung.

Nun hat der europäische Gerichthof (euGH) in einem Fall sehr deutlich entschieden, dass Inhaber einer Facebook-Gruppe oder einer Fanpage auf Facebook mitverantwortlich sind für die Datenverarbeitung von Facebook, also bei Verstößen gegen das Datenschutzrecht mithaften. Und es spielt keine Rolle, dass den Seiteninhabern die Statistikdaten anonymisiert zur Verfügung gestellt werden, während nur Facebook selbst die Statistikdaten eindeutig den entsprechenden Usern zuordnen kann.
Davon betroffen ist wahrscheinlich auch Instagram, da Instagram zur Facebook-Unternehmensgruppe gehört.

Ja schönen Dank auch!

Wie weltfremd und praxisfern sind die Richter am europäischen Gerichtshof eigentlich? Denken diese auch einmal über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen für Personen, Vereine und Firmen, die keine Großkonzerne sind, nach?

Zunächst einmal bedeutet dieses Urteil für alle Inhaber von Facebookseiten und Facebookgruppen mit Sitz in der EU, egal of geschäftlich oder privat müssen künftig eine eigene Datenschutzerklärung einstellen. Da auch diese Datenschutzerklärung wieder nur von einem Fachanwalt erstellt werden kann und wieder extra berechnet wird, werde ich meine Facebookseite in den nächsten Tagen schließen, nachdem hoffentlich alle, die es interessiert, diese Nachricht gelesen haben.

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Das Maß des Erträglichen ist für mich jetzt erreicht.

Ich habe mich wochenlang mit dem Datenschutzquatsch beschäftigt anstatt meinen eigentlichen Aufgaben nachzugehen. In der Zeit hätte ich ein neues Buch schreiben können und neue Produkte in meinen Shop einpflegen können, die seit Monaten zum Verkauf hier bereitliegen.
Die neuen Datenschutzerklärungen kosten mich monatlich einen Betrag, der weh tut, weil ich ihn nicht auf meine Preise aufschlagen möchte, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Ich habe meine Blogs auf Deutsch und Englisch mit entsprechenden Datenschutzerklärungen versehen und mit mühevollem Aufwand die Verknüpfungen zu Google, Facebook und anderen Social Media-Plattformen, die im Hintergrund Daten sammeln und verarbeiten, entfernt. Hierzu musste zum Teil sogar in die Seitenprogrammierung eingegriffen werden, was ich Dank meiner IT-Ausbildung auch noch hinbekommen habe.
Diese Pop-up-Fenster mit dem Abfrage- und double-opt-in-Wahn stören mich selbst so gewaltig, dass ich diese Lösungen nicht einsetzen möchte. Denn das Häkchensetzen und immer wieder bestätigen nervt, schützt aber keinen, sondern legalisiert die freie Datenverwendung ja nur. Also zurück in die alten Zeiten, als Internet noch statisch war, nur lesen und bloß keine Interaktion!

Was ist das eigentlich für ein Schutz, meterlange Datenschutzerklärungen lesen zu müssen, zwangsweise durch Anwälte rechtssicher verfasst, die kein Mensch versteht außer den Anwälten selbst. Der Verbraucher hat dann die Wahl zwischen a) zuzustimmen oder b) das Internet zu verlassen oder das Smartphone und Tablet nicht mehr zu benutzen.
Auf diese Weise liest kaum jemand überhaupt die Datenschutzerklärungen, stimmt einfach zu und gibt dem jeweiligen Unternehmen einen Freifahrschein für Datengebrauch und Datenmißbrauch. Die perfekte Art und Weise, schamlosen Datengebrauch und Datenmißbrauch legal zu machen und internationale Konzerne, die seit Jahren keine Steuern in Deutschland zahlen, noch größer zu machen.

Auch ich finde es nicht richtig, dass persönliche Daten gesammelt und unwissentlich weitergegeben und verarbeitet werden. Es sind aber nicht die Blogger und die Klein- und Kleinstunternehmer, die dies tun. Es sind die großen Datenkraken wie Facebook, Amazon, Google und Marketingfirmen, die dies so raffiniert im Hintergrund tun, dass es höchste Zeit wurde, dass die Öffentlichkeit einmal ordentlich aufgerüttelt und informiert wurde.

Nur ändern wird die DSGVO hier nichts, im Gegenteil. Die Gesetzgeber fordern die Transparenz und die Maßnahmen gegen Mißbrauch nicht von den Verursachern, sondern von den anhängenden Unternehmen, groß oder klein bis hin zu privaten Webseitenbetreibern, also viele, die selbst keinerlei Daten sammeln und diese wirtschaftlich aus- und verwerten. Die meisten davon sind gar nicht imstande, die geforderten Maßnahmen durchzuführen, weil dies nur mit hohen Kosten und technischem Fachwissen durchzuführen ist. Viele verstehen gar nicht, was überhaupt von Ihnen gefordert wird und imgrunde weiß es keiner 100%ig, noch nicht einmal die Anwälte selbst.

Die vielen Einzel- und Kleinunternehmen verschaffen sich selbst Jobs, die es am Arbeitsmarkt nicht gibt. Die Kleinunternehmer bieten Konzernen wie Amazon, die mit äußerst fragwürdigen Mitteln arbeiten, die Stirn. Bei diesen Konzernen scheinen die Gesetzgeber in der EU jedoch Ihre Forderungen nach Datenschutz nicht durchsetzen zu wollen oder zu können.

Die kleinen Unternehmer haben ohnehin schon viele Nachteile wie z. B. einen völlig unangemessenen Krankenversicherungsmindestbeitrag bei kleinen Einkommen und einen überproportional hohen Aufwand und Kosten für Buchhaltung, Steuererklärungen, Verpackungslizensierungen usw. Aber was die neue Datenschutzgrundverordnung von privaten Webseitenbetreibern, Bloggern und Kleinbetrieben verlangt ist einfach der Gipfel und ruiniert die Freiheit und die Vielfalt im Internet und das alles zum Schutz der Verbraucher???

Immerhin gibt es in Sachen Cookies einen Lichtblick. Mit Cookies werden viele Daten unbemerkt gesammelt. Bisher gibt es dazu eben nur die Möglichkeit a) Cookies zu akzeptieren b) Cookies nicht zu akzeptieren und ohne Internet weitermachen, da kaum eine Seite mehr ohne Cookies arbeitet.

Ab 2019 soll dann endlich zwischen solchen Cookies unterschieden werden, die zum Benutzen einer Webseite/eines Shops tatsächlich notwendig sind und solchen, die ausschließlich zum Auswerten verwendet werden. Auch das wird Programmierern wieder Kopfzerbrechen bereiten. Aber dann habe ich als Verbraucher (hoffentlich) endlich die Möglichkeit, eine Webseite weiterhin zu benutzen und gleichzeitig dem Datensammelwahnsinn einen Riegel vorzuschieben. Hoffen wir mal, dass das dann auch alles wirklich so umgesetzt wird. Diese Lösung, schon vor Jahren eingeführt, hätte viele aktuelle Probleme verhindern können.
Und dann wünsche ich mir noch eine Lösung für die rund 50 Spam-Emails, die ich jeden Tag bekomme und durchsehen muss (trotz Spamfilter), obwohl auch Spam-Emails gesetzlich verboten sind.

Dann wende ich mich jetzt wieder einem erfreulicheren Thema zu und sortiere Urlaubsbilder, um euch demnächst das ultimative Urlaubsfotoalbum präsentieren zu können. Und das wird richtig super!

Bis bald,
Angelika





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